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Handlungsempfehlungen

Herausforderungen für Nordrhein-Westfalen

Die Innovationspolitik in Nordrhein-Westfalen steht vor großen Herausforderungen:

  • Industrie- und Schwellenländer investieren viel in neue Zukunftstechnologien,
  • Großunternehmen und Mittelstand in Nordrhein-Westfalen müssen den Strukturwandel und den globalen Wettbewerb bewältigen,
  • neue Spitzentechnologien basieren häufig auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das führt zu neuen Chancen, stellt aber auch das Innovationssystem vor Herausforderungen,
  • daher wird der Wissenstransfer in die Wirtschaft und die unternehmerische Ausrichtung der Hochschulforschung (entrepreneurial university) immer wichtiger.

Die Corona-Krise bringt zusätzliche Belastungen. Sie bietet aber auch die große Chance, auf dem Weg aus der Krise mit einer langfristig ausgerichteten Innovationspolitik die Wettbewerbsposition des Landes Nordrhein-Westfalen nachhaltig zu verbessern. 

Hierzu gilt es, Stärken zu nutzen und Schwächen zu beseitigen.

Vision als Basis einer Innovationspolitik für Nordrhein-Westfalen

Eine Vision für Nordrhein-Westfalen ist eine Vorstellung über die Zukunft des Landes. Diese Vision ist ein Ausgangspunkt für die Innovationspolitik, der es ermöglicht, Ziele festzulegen und die Ressourcen dafür bereitzustellen. Oberstes Ziel der Innovationspolitik sollte es sein, Wachstum und Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger zu sichern und zu mehren. Auf Basis dieser Vorstellung wurde eine Vision für die folgenden zehn Bereiche formuliert:

  • Bildung
  • Forschung und Entwicklung
  • Gesellschaftliche Bedarfsfelder
  • Märkte und Mittelstand
  • Wissenschaftliche Exzellenz
  • Innovation und Gründergeist
  • Wissenstransfer und Vernetzung
  • Dienstleistungsgesellschaft
  • Digitalisierung
  • Konsequenzen aus Corona in NRW

Gestaltungsfelder und Handlungsempfehlungen

Gestaltungsfelder strukturieren die Ansatzpunkte und Maßnahmen der Innovationspolitik. Sie zeigen, wo Innovationspolitik ansetzen und (den Rahmen für) Innovationen beeinflussen kann. Sie bilden gleichzeitig auch Ansatzpunkte für die Akteure im Innovationsgeschehen. Im Rahmen der Untersuchungen wurden für Nordrhein-Westfalen zehn zentrale Gestaltungsfelder gefunden, die stark mit der Vision zusammenhängen. Ausgehend von diesen Gestaltungsfeldern werden folgende ausgewählte Handlungsempfehlungen vorgeschlagen:

  1. Bildung stärken

  2. Wissenschaft und Wissenstransfer entwickeln
  3. Gesellschaftliche Zukunftsthemen voranbringen 
  4. Wachstumsorientierte Gründungen fördern
  5. Experimentierfelder für neue Ideen schaffen
  6. Innovativen Mittelstand fördern
  7. Rahmenbedingungen für innovative Dienstleistungen verbessern
  8. Digitale Infrastruktur weiterentwickeln
  9. Bürokratie abbauen
  10. Antworten der Innovationspolitik auf die Corona-Krise herausarbeiten

 Für diese zehn Gestaltungsfelder wurden Handlungsempfehlungen entwickelt. Für die Gestaltungsfelder 1, 4 und 6 ergeben sich zusammen gefasst folgende Empfehlungen:

Gestaltungsfeld 1: Bildung stärken

Exzellenz im Bildungssystem legt den Grundstein für das Innovationsgeschehen. Gleichzeitig ist ein durchlässiges Bildungssystem zentral für die Anpassung an den technischen Wandel. 

Daher wird empfohlen:

  • das Angebot im Bereich der MINT-Bildung in Schulen zu erweitern und zu verbessern und Ganztagsangebote nach Möglichkeit auszubauen, 
  • das Zahlenverhältnis zwischen Lehrenden und Schülern bzw. Studierenden zu verbessern sowie die durchschnittliche Mittelausstattung pro Schüler bzw. Studierenden zu erhöhen,
  • die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen zu stärken,
  • in Schulen und Hochschulen digitale Medienkonzepte verstärkt zu nutzen (Nutzung der in der Zeit der Corona-Pandemie entstandenen Erfordernisse) sowie
  • ein Exzellenzprogramm zu etablieren, um Spitzenwissenschaftler/innen anzuziehen.

Gestaltungsfeld 4: Wachstumsorientierte Gründungen fördern

Zielsetzung der Innovationspolitik in Nordrhein-Westfalen sollte es sein, den Gründungs-Rückstand gegenüber anderen Ländern aufzuholen und sich international an den Besten zu orientieren. Die Herausforderung ist dabei weniger die fehlende Finanzierung. Vielmehr fehlt es teilweise an einer etablierten „Gründerkultur“ an den Hochschulen. Zu dieser  gehört auch eine stärkere projekt- und problemorientierte Arbeit im Rahmen der Hochschulbildung. Die Aktivitäten des Ministeriums sollten auch weiterhin darauf ausgerichtet sein, Gründungen verstärkt zu unterstützen. Die Exzellenz Start-up Center sind hierzu bereits ein guter Schritt. 

Darüber hinaus wird empfohlen:

  • neben den Universitäten auch die institutionelle Ausstattung der Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen zu verbessern, um vorhandene Potenziale nutzen zu können;
  • Lernprozesse in den Hochschulen zu fördern; die Bedeutung der Gründungsunterstützung im Rahmen von Zielvereinbarungen mit Hochschulen höher zu gewichten (nur bedingt wirksam: Gründungslehrstühle); 
  • die Einbindung von Unternehmen in Gründungsaktivitäten stärker zu fördern (Zusammenarbeit bei Projekten zu Innovationsfragen der Unternehmen, aus denen Gründungen resultieren können); 
  • die Sichtbarkeit des Gründungsstandorts Nordrhein-Westfalen zu verbessern, um mehr Venture Capital einzuwerben.

Gestaltungsfeld 6: Innovativen Mittelstand fördern – Innovationen aus einer breiteren Perspektive betrachten

Wichtig für eine erfolgreiche Innovationspolitik in Nordrhein-Westfalen ist der Blick auf „traditionelle“ Felder, in denen das Land stark ist. Dazu gehören die Energietechnik, Logistik, Textilwirtschaft, das Kunststoffrecycling, aber auch Unternehmen in der Zulieferkette der Luftfahrtindustrie und insbesondere der Automobilwirtschaft. Vor allem sollten auch innovative Unternehmen ohne direkte Wissenschaftseinbindung unterstützt werden. Dafür muss der Begriff Innovationen weiter gefasst werden. Entsprechend sollten neue Formen von Innovationen (Crowdsourcing, User Innovation, Geschäftsmodellinnovationen, Soziale Innovationen) berücksichtigt werden. 

Daher wird empfohlen:

  • Innovationsaktivitäten stärker regional zu unterstützen (Stichworte sind hier Ruhrgebiet als Logistikregion oder Nordrhein-Westfalen als Modellregion für das Kunststoffrecycling);
  • Möglichkeiten zur Unterstützung von Innovationen in der Dienstleistungswirtschaft jenseits von IT, also die Kreativwirtschaft, Handel und Logistik in den Blick zu nehmen;
  • auch die Einbeziehung von Direktinvestitions-Unternehmen aus dem Ausland in nicht-forschenden Feldern (Handel, Dienstleistungen) zu prüfen; 
  • insbesondere Maßnahmen zu stärken, die die Innovationspotenziale von KMU einbeziehen und mobilisieren (Zugang zu Fachkräften, Innovationsfinanzierung, Einbindung in neue Entwicklungen wie KI, Digitalisierung);
  • die Cluster- und Netzwerkförderung zur Unterstützung der Unternehmensaktivitäten neu zu starten, um dieses Instrument effizienter gestalten zu können.

 

Die Vision, Gestaltungsfelder und Handlungsempfehlungen werden ausführlich in Abschnitt 5.2 des Innovationsberichts dargestellt

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